Asylpolitik liegt Schülern am Herzen

Europa-Politiker stellen sich in der Gesamtschule Friedenstal den Fragen der Jung-Wähler

Diskutieren mit den Gesamtschülern europapolitische Themen: Fahima Hassan, Konstantin Kuhle, Ute Koczy, Nick Woischneck, Christoph Dolle und Miriam Struck (von links). Foto: Stefan Wolff

Diskutieren mit den Gesamtschülern europapolitische Themen: Fahima Hassan, Konstantin Kuhle, Ute Koczy, Nick Woischneck, Christoph Dolle und Miriam Struck (von links). Foto: Stefan Wolff

Herford(HK). Vor Wahlen ist es an der Gesamtschule Friedenstal Brauch, dass sich die Schüler der Oberstufe im direkten Dialog mit den Politikern über deren Programme informieren. Jetzt waren Kandidaten fast aller im europäischen Parlament vertretenen Parteien zu Gast.

Von StefanWolff

Sie standen 220 bereits oder in Kürze wahlberechtigten Schüler der 11. und 12. Klassenstufe Rede und Antwort. Für die SPD kam Christoph Dolle, für Bündnis 90   /   Die Grünen nahm Ute Koczy teil. Die europapolitische Position der FDP vertrat Konstantin Kuhle, die der Linken Nick Woischneck. Nicht an der Diskussion teilnehmen konnte der Christdemokrat und Europaabgeordnete Elmar Brok. Aufgrund des Warnstreiks auf dem Frankfurter Flughafen musste er seine Abreise aus New York verschieben.

Die Diskussion moderierten die Schülerinnen Miriam Struck und Fahima Hassan. Letztere stellte sich als die Urenkelin der 107 Jahre alten Syrerin vor, die nach einer achtmonatigen Flucht jetzt bei ihrer Familie in Niedersachsen ist. Die junge Frau nutzte auch die Gelegenheit, der Bundestagsabgeordneten Annette Groth (Die Linke) und Bundespräsident Joachim Gauck für ihre Unterstützung zu danken.

Nach den Statements der Politiker waren die Schüler an der Reihe. Sie notieren ihre Fragen und gaben sie den Moderatoren weiter, die sie dann vorlasen. Doch die Fülle der Fragen war so groß, dass viele für den Unterricht aufgehoben wurden. Viel Raum nahm die Asylpolitik ein. Einig waren sich die Abgeordneten, dass der Umgang mit Flüchtlingen an den Grenzen erheblich verbessert werden müsse. Koczy forderte, dass Auswanderer bereits in ihrem Heimatländern Asyl in Deutschland beantragen können müssen und dass eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge auf die Länder der EU vorgenommen werde. Sozialdemokrat Dolle bedauerte den Stillstand: »Die europäische Politik hat in menschenverachtender Art und Weise geschlafen.« Auf die Frage hin, warum Deutschland bisher nur 5000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen habe, verwies Koczy auf die Innenminister der Länder, die darüber zu entscheiden hätten.

Großes Interesse hatten die Gesamtschüler, von denen nicht wenige türkische Wurzeln haben, an den Aussichten der Türkei, einmal Mitglied der EU zu werden. »Die EU ist derzeit nicht bereit für eine Aufnahme, die Grünen aber schon«, stellte Ute Koczy fest. Allerdings müssten hohe Auflagen beachtet werden. »So muss die Türkei alleine 80   000 Seiten mit Rechtsvorschriften abarbeiten.« Kuhle (FDP) sieht den Islam nicht als Hinderungsgrund für einen EU-Eintritt an, aber den Umgang mit Menschenrechten und der Pressefreiheit.

Quelle: WB vom 10.04.2014